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Presseinformation | Ein verlorener Schatz kehrt zurück

Sie ist schön, genau 230 Jahre alt und gehört nach Chemnitz - eine Abendmahlskanne aus der Nikolaikirche. Genau im Jubiläumsjahr wird sie hier in unserer Stadt wieder ihre Heimat finden. Dahinter steckt eine spannende Geschichte:

Eines Tages meldete sich bei der Kirchengemeinde St. Nikolai-Thomas ein Auktionshaus und bot eine Abendmahlskanne zum Kauf an - 30,5 cm hoch, aus Zinn gefertigt und angeblich aus Chemnitz. Die Inschrift lautet: "Der Kirche zu St.Nicolai, den 1. Februari Anno 1779"

"Wir waren völlig überrascht, dass so ein Zeitzeugnis von dem einst geistlichen Leben aus unserer Kirchgemeinde auftauchte. Es gibt keinen Kirchenbau mehr, in dem die Wurzeln unserer Gemeinde sichtbar und erlebbar sind. Deshalb war die Aussicht auf eine Abendmahlskanne aus unserer alten Nikolaikirche für uns so bedeutsam. Zu Anfang waren wir allerdings skeptisch, ob es sich wirklich um ein Original handelt." (Zitat: Pastorin Astrid Kühme)

Es wurde in alten Kirchenbüchern gestöbert und der Stempel am Boden der Abendmahlskanne überprüft. Ergebnis: Sie stammt tatsächlich aus der alten Chemnitzer Nikolaikirche.

Diese hat eine sehr bewegte Geschichte: Im Jahr 1487 wurde die zum Großteil hölzerne Nikolaikirche ein Raub der Flammen, ebenso in den Jahren 1519 und 1532. Im Schmalkaldischen Krieg musste die Kirche abgerissen werden, um feindlichen Soldaten keinen Schutz zu bieten. Danach kaum wiedererrichtet, brannte die Nikolaikirche im Jahre 1632 während des Dreißigjährigen Krieges abermals. 1634 legte man die Fundamente für eine neue Kirche, die in Form und Ausstattung zunächst sehr bescheiden ausfiel und erst 1692 für die Glocken einen Dachreiter erhielt.

In den Jahren 1749/50 und 1789 erfolgten Erneuerungsarbeiten am Gotteshaus, der Innenraum wurde dem dringenden Bedarf entsprechend auf 550 Sitzplätze eingerichtet. Zu dieser Zeit bekamen die Gottesdienstbesucher das Abendmahl wohl aus der nun wieder aufgetauchten Abendmahlskanne.

Da die Kirchengemeinde damals sehr stark wuchs, bot die kleine Kirche bald nicht mehr genug Platz. Außerdem wurde sie baufällig und musste zum Verdruss der Gemeinde am 20. Januar 1882, ohne Abschiedsgottesdienst und -geläut, baupolizeilich geschlossen werden. Ende 1884 waren die Reste der alten Kirche beseitigt. Danach wurde die beeindruckende neugotische Kirche erbaut.

Mit der kriegsbedingten Zerstörung der Stadt Chemnitz am 5. März 1945, ging auch die St. Nikolaikirche samt der beiden Pfarrgebäude im Feuersturm und Bombenhagel unter. Sicher hätte die Kirche wieder aufgebaut werden können, ihr Turm war nur ausgebrannt, dagegen hatte das Kirchenschiff größere Schäden aufzuweisen. Doch die materiellen und politischen Verhältnisse der Nachkriegsjahre ließen einen Wiederaufbau nicht zu. 1947 wurde der Turm gesprengt und die Restruine bis 1948 beseitigt.

Geht man heute über das Gelände der ehemaligen Nikolaikirche erinnert nichts mehr an das einst so imposante Bauwerk. Der Förderverein Niklasberg hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesem Gelände wieder Leben einzuhauchen und die Erinnerung an die Nikolaikirche wach zu halten. Zusammen mit der Kirchengemeinde St. Nikolai-Thomas holt der Verein die Abendmahlskanne nun wieder nach Hause.

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